{"id":184,"date":"2013-11-05T23:26:29","date_gmt":"2013-11-05T21:26:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wp.kirche-ihrhove.de\/wordpress\/?page_id=184"},"modified":"2021-10-05T10:23:11","modified_gmt":"2021-10-05T09:23:11","slug":"jubilaeum","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.wp.kirche-ihrhove.de\/wordpress\/?page_id=184","title":{"rendered":"Glockenjubil\u00e4um"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Am 7. Oktober 2001 feierte unsere Kirchengemeinde 50-j\u00e4hriges Glockenjubil\u00e4um:&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ihrhove hat immer drei sch\u00f6ne Glocken gehabt. Und hat doch auch manches Schwere mit seinen Glocken erlebt. 1809 war die gro\u00dfe Glocke gesprungen. Der Glockengie\u00dfer Fremy aus Reepsholt go\u00df sie neu. In Reepsholt? Vielleicht auch auf dem hiesigen Friedhof, wie die Alten hier erz\u00e4hlen, die zu berichten wissen, dass die Gemeindeglieder goldene und silberne Schmuckst\u00fccke in die Glockenmasse geworfen h\u00e4tten. 1888 im Dreikaiserjahr sprangen die mittlere und die kleinere Glocke und mussten umgegossen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Krieg raubte die Glocken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Weltkrieg belie\u00df nur die gro\u00dfe Glocke, die anderen beiden wurden abgeliefert und durch neue Bronzeglocken ersetzt. Dann sprang 1926 wieder die gro\u00dfe Glocke und wurde durch die Firma Rincker in Sinn neu gegossen. Bis 1942 haben die drei Glocken -Ton cis` und e` und gis`- gemeinsam ihren Dienst getan, dann nahm wieder der Krieg unsere beiden gro\u00dfen Glocken fort, die noch ein paar Tage auf der Rampe in Leer standen und anschlie\u00dfend in Hamburg sofort eingeschmolzen wurden. In all den weiteren Jahren des Krieges war auch das Gel\u00e4ut der noch verbleibenden kleinen Glocke nur beschr\u00e4nkt m\u00f6glich. Die h\u00f6chste L\u00e4utezeit war 3 Minuten, vor 8 Uhr morgens und nach 6 Uhr abends war jedes L\u00e4uten verboten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wordpress\/wp-content\/gallery\/glocke2.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption> <br> Vermutlich wurde dieses Bild aufgenommen, als die Glocken abgeliefert werden mussten, da ohne Sicherung gearbeitet und ein Zerspringen beim Herabfallen billigend in Kauf genommen wurde. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sehr bald nach dem Krieg hat sich der Kirchenrat um neue Glocken bem\u00fcht. Zum Ankauf der angebotenen &#8222;Klanggu\u00dfglocken&#8220; konnten wir uns nicht entschlie\u00dfen. Bronzeglocken gab es erst wieder nach der W\u00e4hrungsreform. Aber die Bronzepreise stiegen so sehr, dass sie uns unerschwinglich wurden. Bronzeglocken kosteten das dreifache von Stahlglocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Es blieb auch die Sorge, dass ein neuer Krieg sie uns sehr bald wieder vom Turm holen k\u00f6nnte. Immer mehr Gemeinden gingen inzwischen zum Ankauf von Bochumer Stahlglocken \u00fcber. Die beiden gro\u00dfen Glocken wurden uns von Bochum zum Preis von reichlich 9.000 DM einschlie\u00dflich Montagekosten angeboten, sie sollten zu der alten Bronzeglocke eingestimmt werden und zu Ende Januar hier sein. Als dann bei einer Pr\u00fcfung das Tonbild der alten Glocke festgestellt wurde, da war dieses so schlecht, dass neue Glocken kaum darauf abgestimmt werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt dessen wurde die Bestellung einer dritten fis`-Stahlglocke beschlossen, f\u00fcr die die Alte nun in Tausch gegeben werden sollte. Auch sagte der Bochumer Verein jetzt die Lieferung bis zu unserem Rundfunkgottesdienst am 7. Oktober 1951 zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die alte Bronzeglocke hat am 9. September 1951 abends von 19 bis 19.15 Uhr zum letzten Mal gel\u00e4utet. Mehr als drei Wochen war die Gemeinde ohne jeden Glockenklang. Zum Gottesdienst rief unser Posaunenchor. Und dann ging\u00b4s Zug um Zug. Die alten Achsen wurden aus dem Turm ausgebaut und nach Bochum gesandt; sie waren aus altem Eichenholz und darum noch so fest, dass sie ohne weiteres wieder gebraucht werden konnten. Als dann der Gu\u00df und die Einstimmung erfolgt waren, konnte der landeskirchliche Glockensachverst\u00e4ndige Kantor Hallensleben nach Bochum fahren, um dort die Glocken zu pr\u00fcfen. Er schreibt in seinem Gutachten, die Gemeinde k\u00f6nne stolz auf ihr neues Gel\u00e4ut sein; der Ton sei edel, die Weichheit bestechend und die Klangf\u00fclle enorm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ankunft der neuen Glocken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Welch ein Augenblick kam, als wir am Abend des 1. Oktober zum ersten Mal die gro\u00dfen, neuen Glocken auf dem LKW sahen, schon mit dem blau gestrichenen Achsen versehen! Ihre Inschriften leuchteten im Glanz der untergehenden Abendsonne. Bei der Gro\u00dfwolder Kirche wurden sie von der Jugend der Gemeinde empfangen, mit Girlanden geschm\u00fcckt und dann zum Turm in Ihrhove geleitet. Posaunen gr\u00fc\u00dften die neuen Glocken mit dem Choral: &#8222;Lobe den Herren, den m\u00e4chtigen K\u00f6nig der Ehren!&#8220;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wordpress\/wp-content\/gallery\/glocke1.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption> Endlich! Die Glocken erreichten am 1. Oktober 1951 ihr Ziel. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dem Gesang und einem Begr\u00fc\u00dfungsgedicht hie\u00df der Ortspastor die Glocken angesichts einer fast unabsehbaren Menschenmenge herzlich willkommen. Er erz\u00e4hlte von der Geschichte der bisherigen Ihrhover Glocken, sprach von der engen Verbundenheit der Glocken mit dem Leben der Gemeinde, dankte allen Spendern und Helfern und gab dem Wunsch Ausdruck, dass die neuen Glocken noch viele Generationen ins Gotteshaus rufen und durch lange, lange Zeiten hindurch ihre eherne Stimme zur Ehre Gottes erheben m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wordpress\/wp-content\/gallery\/glocke3.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>  Viele Ihrhover fanden den Weg zur Kirche, um die Arbeiten am Glockenturm zu verfolgen. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Einbau der drei Glocken, bei welchem dem Bochumer Monteur viele einheimische Kr\u00e4fte zur Seite standen, hat viel M\u00fche gemacht. Der Glockenstuhl mu\u00dfte besonders f\u00fcr die kleine Glocke erweitert werden. Gleichzeitig wurde die ganze elektrische L\u00e4uteanlage erneuert und um ein Freikabel und eine Fernschaltung erweitert. Am Mittwochabend hingen alle drei Glocken, da wurden die Kl\u00f6ppel eingeh\u00e4ngt und die Glocken schon einmal mit der Hand angeschlagen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wordpress\/wp-content\/gallery\/glocke4.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption> Der Einbau war recht m\u00fchsam. Die Fenster mussten erweitert werden. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am Donnerstag haben vor allem noch die Elektriker im Gro\u00dfeinsatz gearbeitet. Am Abend war dann die Leitung provisorisch fertig, so kam nach Beseitigung kleiner Anfangsst\u00f6rungen der gro\u00dfe Augenblick des Probel\u00e4utens in sp\u00e4ter Abendstunde. Erstmalig erhoben die drei Glocken ihre sch\u00f6ne, ruhige Stimme \u00fcber das stille und lauschende Dorf und seiner ganzen Umgebung. Alle Erwartungen waren soweit \u00fcbertroffen, der Dreiklang cis`- e` &#8211; fis` erscheint dazu noch viel sch\u00f6ner als der fr\u00fchere Dreiklang cis`- e` &#8211; gis`. Wer es miterlebte, der wird diese halbe Stunde des ersten Gel\u00e4utes nie mehr vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Rundfunkgottesdienst<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 7. Oktober fiel die feierliche \u00dcbernahme des neuen Gel\u00e4utes mit dem Rundfunkgottesdienst aus der Ihrhover Kirche zusammen. Schon am Sonnabend Nachmittag erschien der gro\u00dfe Rundfunkwagen des NWDR und bereitete die \u00dcbertragung vor. Jeden Sonnabend bringt der NWDR die Sendung: &#8222;Glocken l\u00e4uten den Sonntag ein&#8220;. So h\u00f6rten wir dann am Sonnabend Abend um 18.55 Uhr im Radio die Original\u00fcbertragung unserer neuen Glocken und mit uns so viele! Auch so viele Ausw\u00e4rtige, die Ihrhove kannten oder gar von hier stammten und die dann in den n\u00e4chsten Tagen in vielen Briefen ihrer Freude \u00fcber das herrliche Gel\u00e4ut Ausdruck gaben. Im Rundfunkgottesdienst hielt in der vollbesetzten Kirche der Ortspastor die Predigt \u00fcber 1. Mose 13. Die Gemeinde umrahmte Predigt und Schriftverlesung (Psalm 73, Vers 23 ff.) mit ihrem von Kantor Wieking auf der Orgel begleiteten Gesang. Gesungen wurde aus den Reimpsalmen 124, 84 und 68 und au\u00dferdem der letzte Vers des in Ostfriesland so bekannten Liedes: &#8222;Erl\u00f6ser, Freund &#8230;&#8220;. Die \u00dcbertragung schloss mit dem erneuten L\u00e4uten der Glocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Als dann der Rundfunk abgeschaltet war, konnte die \u00dcbernahme der Glocken erfolgen. Text der Ansprache hierzu war Lukas 14, 23: &#8222;N\u00f6tige sie, hereinzukommen, auf das mein Haus voll werde.&#8220; Gott will, so f\u00fchrte der Ortspastor aus, ein volles Haus, hier unten und auch in der gro\u00dfen Ewigkeit. Drum l\u00e4\u00dft er alle laden und \u00f6ffnet die T\u00fcren weit. Schon seine Boten haben die Aufgabe einzuladen, ja sogar zu n\u00f6tigen und zu dr\u00e4ngen. Dies N\u00f6tigen darf nun auch durch die Glocken geschehen. Wie nach einer Sage die Glocke einem Kinde nachwandelt und es zur\u00fcckruft, so m\u00f6chten auch uns die Glocken aus den H\u00e4usern ins Gotteshaus n\u00f6tigen und uns an die Ewigkeit erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Worten des Gedenkes an die Gefallenen und die Opfer des Krieges erhob sich die Gemeinde und es erklang die gro\u00dfe Glocke als die Gefallenen-Ged\u00e4chtnisglocke. Auf ihr ist als Losung der 10. Vers des 68. Reimpsalms angegeben, den wir auch bisher bei allen Tauffeiern sangen. In gleicher Weise wurde dann die mittlere Glocke als die Erinnerungsglocke f\u00fcr die Vermi\u00dften in den Dienst der Gemeinde \u00fcbernommen. Im Blick auf diese vielen Vermi\u00dften steht auf der mitteren Glocke der Spruch aus Psalm 68: &#8222;Gott legt uns eine Last auf, aber hilft uns auch.&#8220; Dann folgte die kleine Glocke, die als &#8222;Ruf zum deutschen Osten&#8220; gegossen war und somit an die Not durch die blutende Wunde im Osten erinnerte. Ihre Inschrift mahnt uns mit der Losung des Berliner Kirchentages: &#8222;Wir sind doch Br\u00fcder!&#8220; Und mit dieser Losung wurde sie im Gedenken an den Osten \u00fcbernommen. Als dann die drei Glocken gemeinsam l\u00e4uteten, wurde die Feier geschlossen mit dem stehend gesungenen Lied: &#8222;Nun danket alle Gott!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe Glocke wiegt 1562 kg, die mittlere 962 kg und die kleine 645 kg. Der untere Durchmesser ist bei der gro\u00dfen Glocke 160 cm, bei der mittleren 135 cm und bei der kleinen 118 cm. Die kleine Glocke ist gegossen am 18. August 1951, die beiden gro\u00dfen am 30. August 1951. Noch ist die Kostenfrage nicht klar zu \u00fcbersehen. Leider ist die Einsammlung der Spenden noch nicht ganz abgeschlossen. Wir d\u00fcrfen aber schon jetzt dankbar sein f\u00fcr so manches Opfer, das gebracht worden ist. Noch sind nicht alle Rechnungen, besonders f\u00fcr die Montage, eingegangen. Wenn die Gutschrift f\u00fcr die alte Glocke einigerma\u00dfen g\u00fcnstig ausf\u00e4llt, dann d\u00fcrfen wir aber doch hoffen, dass wenigstens der gr\u00f6\u00dfte Teil der gesamten Kosten gedeckt werden kann. Der Rest wird dann durch Kollekten, etwa auch bei den Beerdigungen, aufgebracht werden m\u00fcssen. Vielleicht hat ja auch der sch\u00f6ne Klang der neuen Glocken den einen oder anderen noch neu willig gemacht, auch ein Scherflein zu den Kosten beizutragen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Woche nach dem Einbau haben die drei Glocken noch jeden Abend gemeinsam von 18.30 Uhr bis 18.40 Uhr gel\u00e4utet. Und die kleine Glocke begann dann schon ihren regelm\u00e4\u00dfigen Tagesdienst, indem sie jeden Morgen um 7 Uhr f\u00fcnf Minuten l\u00e4utete. Damit soll die Sitte des t\u00e4glichen Morgen- und Abendgel\u00e4utes mit dieser kleinen Glocke wieder eingef\u00fchrt werden. Verl\u00e4utet wird wieder mit allen drei Glocken und zwar mittags um 12 Uhr eine viertel Stunde lang. Bei verstorbenen Kindern beginnt die kleine Glocke, bei Jugendlichen die mittlere und bei den Erwachsenen die gro\u00dfe Glocke.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ansage im Rundfunkgottesdienst hatte folgenden Wortlaut: &#8222;O Land, Land, Land h\u00f6re des Herrn Wort! Mit diesem Ruf klingen nun auch Ihrhoves neue Glocken hinaus und rufen zum ersten Mal die Gemeinde zu ihrem sonnt\u00e4glichen Gottesdienst. Nur eine kleine Glocke war seit dem 2. Weltkrieg geblieben. Heute treten an ihre Stelle die drei neuen Bochumer Stahlglocken, die in der letzten Woche eingebaut worden sind und die mit ihrem sch\u00f6nen Klang schon beim Probel\u00e4uten die Gemeinde erfreuten. Sie rufen zum Gottesdienst in der alten, schlichten Dorfkirche, die etwa um 1300 erbaut ist und in der eigentlich als einzige Besonderheit der alte Taufstein steht, der noch 100 Jahre fr\u00fcher aus Bentheimer Sandstein gehauen wurde. In der alten Kirche haben schon die V\u00e4ter so gerne ihre Psalmen gesungen. So beginnt der Gottesdienst auch heute mit einem Psalm. Die Gemeinde singt Psalm 124: &#8222;Sing, Gottes Volk: w\u00e4r unser Gott nicht treu&#8230;&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: &#8222;Ihrhover Glockenjubil\u00e4um&#8220; <br>Text: Pastor Hermann Z\u00fcchner (verstorben) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. Oktober 2001 feierte unsere Kirchengemeinde 50-j\u00e4hriges Glockenjubil\u00e4um:&nbsp;&nbsp; Ihrhove hat immer drei sch\u00f6ne Glocken gehabt. Und hat doch auch manches Schwere mit seinen Glocken erlebt. 1809 war die gro\u00dfe Glocke gesprungen. Der Glockengie\u00dfer Fremy aus Reepsholt go\u00df sie neu. In Reepsholt? 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